Die Ausgangslage ist ambivalent. KI kann Informationen in Sekunden zusammenfassen, Texte und Bilder erzeugen und große Datenmengen verarbeiten. Damit eröffnet sie neue Möglichkeiten, Komplexität zu reduzieren und Menschen leichteren Zugang zu Informationen zu verschaffen. Gleichzeitig erleichtert KI die Produktion und Verbreitung von Desinformation und Manipulation. Nicht umsonst zählt Desinformation laut Global Risks Report 2026 des Weltwirtschaftsforums weiterhin zu den größten globalen Risiken.
Und das Fazit des Tages? Die entscheidende Frage lautet nicht, ob KI gut oder schlecht für die Demokratie ist. Entscheidend ist, wie wir sie einsetzen. Oder wie Panelist Max Mundhenke es ausdrückte: KI ist wie ein Hammer. Mit einem Hammer kann man ein Haus bauen – oder jemandem schaden. Das Werkzeug selbst entscheidet nicht darüber, was damit geschieht.
Komplexität reduzieren – ohne Komplexität zu verleugnen
Besonders deutlich wurde das in der Abenddiskussion, von Alina Fichter moderiert. Zwei sehr unterschiedliche Projekte zeigten, wie KI Bürgerinnen und Bürgern in Zeiten von Social Media und polarisiertem politischen Diskurs Orientierungshilfen bieten kann.
Mirko Lange von Democracy Intelligence stellte den Democracy-Score vor – eine Art Nutri-Score für politische Kommunikation: Wie wird mit Fakten umgegangen? Welche Rolle spielen Emotionen? Und fördert eine Aussage eine informierte Meinungsbildung – oder zielt sie vor allem Empörung und Polarisierung?
Lange beschrieb das Problem der heutigen Aufmerksamkeitsökonomie mit einem einfachen Bild: Der Säbelzahntiger bekommt mehr Aufmerksamkeit als das Gänseblümchen. Zuspitzung schlägt Nuance. Sein Ansatz verbindet deshalb Fact-Checking mit einem Blick auf die emotionale Wirkung politischer Kommunikation – und folgt dem Motto: „Flooding the zone with sense.“
Auch Max Mundhenke beschäftigt sich mit der Frage, wie sich politische Komplexität zugänglicher machen lässt. Für die Bundestagswahl 2025 übersetzte er Wahlprogramme von acht Parteien mithilfe generativer KI in Zukunftsbilder. Seine Projekte bundestagswahl.ai und wahl.land zeigen nicht, welche Partei man wählen sollte. Sie sollen vielmehr einen Einstieg bieten: Wie könnte unser Land aussehen, wenn die Ideen eines Wahlprogramms umgesetzt würden?
Gerade für Menschen, die keine 80 Seiten Wahlprogramm lesen, können solche Visualisierungen einen neuen Zugang schaffen. Gleichzeitig bleibt wichtig: Auch KI-generierte Bilder sind Interpretationen. Sie ersetzen nicht die Auseinandersetzung mit politischen Inhalten, können aber einen Anlass schaffen, genauer hinzusehen und miteinander ins Gespräch zu kommen.
KI ausprobieren – und kritisch hinterfragen
Zuvor hatten die Gäste in drei Workshops unterschiedliche Anwendungen und Ansätze selbst ausprobiert.
Mit Max Mundhenke entwickelten sie in Langdock einen eigenen KI-gestützten Fact-Checking-Assistenten und beschäftigten sich mit Prompting und dem Aufbau von KI-Assistenten. Anna Lorenz und Moritz Wöhlbier von Minor Projektkontor stellten Democracy.AI vor, eine Plattform, die demokratische Unternehmenskultur mit einer digitalen Toolbox und KI-gestützter Beratung unterstützen soll.
Im Workshop mit Mirko Lange ging es schließlich um die Qualität öffentlicher und politischer Kommunikation – und darum, wie sich demokratische Kommunikation jenseits eines einfachen „wahr oder falsch“ mit einer Art „Nutri-Score“ bewerten lässt.
Das BC4D-Netzwerktreffen hat vor allem eines gezeigt: Eine demokratische Zukunft mit KI entsteht nicht durch große Technologieversprechen. Sie entsteht dort, wo Menschen neue Werkzeuge ausprobieren, ihre Grenzen verstehen, kritisch bleiben und Verantwortung übernehmen.
Oder, wie Margot Friedländer sagte: „Seid Menschen.“